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Mar 21, 2014

"Prächtige Burgunder aus der Hölle"


Eine weitere Vorstellung unseres Weingutes im regionalen Veranstaltungsmagazin Pepper.

SAULHEIM. „Klein ist fein“ – sagt man. Und sieht man. Zum Beispiel bei Lydia und Mario Dechent. Die beiden Saulheimer „Urgesteine“ haben im Ortskern ein kleines Weingut aufgebaut, das nicht nur im rheinhessischen Hügelland seinesgleichen sucht. Das liegt nicht nur am Wein, sondern vor allem am Ambiente ihres Anwesens. Das Fachwerkgehöft aus dem Jahr 1619 war zur Ruine verfallen, als sie es 1983 kauften. „Die sind wahnsinnig“ sagten viele Saulheimer. „Wir haben klare Vorstellungen“, entgegneten die Dechents – und gingen an die Arbeit. Ihr Ziel war ehrgeizig: Sie wollten das Weingut, 1980 vom Opa übernommen, sortenspezifisch komplett neu ausrichten. Wie gut das gelungen ist, beweist die Auszeichnung „Haus der prämierten Weine“, die das Schmuckstück seit 2012 trägt. Wer zuvor noch nie im Gewölbekeller war, fragt sich verwundert: „Kann ein Betrieb mit gerade mal zwei Hektar Weinbergen ein solches Anwesen mit Leben füllen?“ Er kann, „wenn man wie wir Wein mit voller Leidenschaft macht“, sagt der Hobbywinzer. Für ihn, der auch als Manager in der Saftbranche beruflich mit Geschmacksnuancen und -vielfalt zu tun hat, ist dies mehr als ein Schlagwort. „Wir lieben unseren Wein nicht nur, sondern leben ihn auch“, ergänzt Ehefrau Lydia, die sich um Marketing und Verkauf kümmert. Zum Team gehören die drei Söhne Tobias, Simon und Jonas. Sie sind von der Begeisterung der Eltern infiziert und arbeiten sowohl im Weinberg als auch im Keller engagiert mit.

Dechent-Reben stehen in der Saulheimer Hölle, der Probstey und im Schlossberg sowie im Stadecker Lenchen. Auf den kalkreichen Verwitterungsböden wachsen vor allem Burgunder, außerdem Silvaner, Riesling und Sauvignon. Zur Handarbeit gehört konsequenter Anschnitt, schonende Bodenpflege, Entfernen von Doppeltrieben und sorgsames Entblättern. „Wir richten alle Aufmerksamkeit darauf, nicht unbedingt viele, sondern vor allem gesunde Trauben zu ernten.“ Dazu gehört die selektive Lese – „wenn‘s sein muss mehrmals pro Zeile“. Die Trauben werden sortenund lagenrein geerntet und getrennt ausgebaut. Sie bleiben lange auf der Maische stehen, „das bringt Farbe und Dichte“. Anschließend darf der Most lange gären – bei Weißwein im Edelstahltank. Die meisten Weine sehen das Holzfass. „Ich gebe ihnen gerne ein Barriqueschwänzchen mit“, verrät der Winzer. Das gefällt nicht nur den Kunden gut, sondern auch den Kritikern. Bei der AWC Vienna, dem größten offiziellen Wettbewerb der Welt, wurden die Weine jüngst mit fünf Gold- und drei Silbermedaillen ausgezeichnet. Auch bei der Kammerpreisprämierung gab es Auszeichnungen. Mehr als über Gold und Silber freuen sich Lydia und Mario Dechent auf gesellige Gespräche mit Weinfreunden. Deswegen laden sie sich gerne Gäste ein; nicht nur in die historische Vinothek, mit der sie sich 2011 einen lange gehegten Traum verwirklichten. Geradezu legendär sind die Hoffeste zur Ritter-Hundt-Kerb im September. Wer nicht bis in den Herbst warten will: Die Hobbywinzer öffnen freitags (13-18 Uhr) und samstags (10-14 Uhr) ihr Gewölbe. Dabei verraten sie im Gespräch: „Klein ist zwar fein, aber ein wenig wollen wir noch wachsen.“ Das nährt die Hoffnung auf weitere leidenschaftlich gut gemachte Dechent-Weine. WOLFGANG BLUM